Cell – Dena Tabari

18. Oktober 2022 bis 30. Oktober 2022
Ausstellung
Hansa48, Hansastr. 48, 24118 Kiel
Vernissage 18.10.2022, Eintritt: gegen Spende

Ich bin in einem Land geboren, das nichts als Leid für die mit einer Stimme bereithält. Meine Eltern ließen ihre Existenz, ihre Familie, ihr aufgebautes Leben zurück – nun nichts mehr als Erinnerung – für ihre Kinder, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine bessere Heimat.
Heimat...eine Illusion, sie geografisch finden zu wollen. Ich fand sie nicht in Deutschland. Hier war mir dennoch die Freiheit geboten, mich auf die Suche zu begeben.
„Nein, nein. Woher kommst Du eigentlich?“ „Wo bist du geboren?“
„Was ist Deine Nationalität?“
„Du siehst nicht deutsch aus.“
„Naja, Deine Haare, Dein Teint.“ „Exotisch.“
Sätze, die leicht über die Lippen gehen und doch eine ganze Welt zerstören können.
Ich war nicht zu Hause, wo ich nun lebte.
Und ich war nicht mehr zu Hause, wo ich einst zu Hause war.
„Ach, die Deutsche mit ihrem schlechten Farsi.“ „Ach, die Deutsche, die jetzt eine aufgeklärte Feministin sein will.“
Nationalitäten, Kulturen und Erscheinungen sind nichts als unsichtbare Grenzen. Eine Mauer, die zwischen uns hochragt. Verlieren wir erst einmal unsere Zugehörigkeit, gehen wir zugrunde. Wir fürchten uns davor. So ziehen wir lieber diese Grenzen und nehmen uns das Recht, einander auszuschließen, abzugrenzen und zu zerstören. Ich bin zugrunde gegangen.
Im selben Zug verlor ich meine vermeintlichen Wurzel und meine vermeintliche Identität. So musste es sein. Ich musste mich ablehnen, um
die Wahrheit zu erkennen. Ein Aufbrechen, eine Dekonstruktion meines Ichs in jede einzelne Zelle. Dort find ich mich. Dort sind Nationalitäten, Hautfarben, Haarfarben und Sprachen nicht vorhanden. Dort ist eine Welt ohne Ignoranz keine Utopie. Dort bin ich zu Hause. Eine Abstraktion, die ich neu zusammensetzen kann. Immer wieder aufs Neue. Zerbrechen. Zusammensetzen. Ich sehe alles, was ich erfahre. Ich erfahre alles, was ich sehe. All das wird zum Ich und zum anderen Ich und zum anderen Ich und... Ich bin nicht eine. Ich bin mehrere. Mehr als nur eine Farbe. Die Farben meines Ichs, der nimmer endende Prozess des Werdens sind meine Heimat. Ich konnte nur werden, weil ich einst nicht mehr war.
Mein Name ist Dena Tabari und mit meiner expressionistischen Malerei widme ich mich dem Prozess neuer Erkenntnisse, Erfahrungen, Selbstfindung und Selbstbestimmung. Meine Selbstportraits spiegeln mein wahres, inneres Ich. Ich erkenne, dass „Nationalität“, „Rasse“, „Hautfarbe“ nur Wörter sind.

Informationen
18.10.2022, 19:00 Uhr: Vernissage
22.10.2022, 19:00 Uhr: Führung durch die Ausstellung