Über uns

Das Projekt „Kulturwochen der andere Blick“ setzt den Fokus im Oktober und November 2021 auf Syrien. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm in der Landeshauptstadt Kiel gibt Einblicke in das Land, bietet den Raum zum Austausch und lädt ein, den eigenen Blick zu erweitern.

Das Projekt wird von der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrant*innen e.V. in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein koordiniert. Ein breites Netzwerk aus Partner:innen gestaltet mit uns das vielfältige Veranstaltungsprogramm.

Wie kam es zu dem Projekt?

Im Jahr 2015 kamen viele Geflüchtete in der Stadt Kiel an. Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit abgenommen hat, kommen weitere Menschen in die Landeshauptstadt. Eine Vielzahl der Menschen hat in Kiel ein neues zu Hause gefunden. Integration ist dabei Schlüssel, um diesen Menschen ein Ankommen in Kiel zu erleichtern. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Bürger:innen, die kaum Berührungspunkte mit Menschen aus anderen Herkunftsländern haben. Besonders in einer Zeit, in der Meinungen sich polarisieren und unsere Demokratie einen Rechtsruck erfährt, sind persönliche Begegnungen und gegenseitiges Verständnis wichtig. Deshalb will das Projekt „Kulturwochen – Der andere Blick“ eine Plattform bieten, um Perspektiven zu wechseln und Begegnungen zu ermöglichen.

Warum Syrien im Jahr 2021?

Zehn Jahre nach Beginn des Krieges sind leider keine Anzeichen für ein Ende von Assads Krieg gegen die eigene Bevölkerung oder gar ein stabiler Frieden in Sicht. Während Russland, der Iran und die Türkei ihren Einfluss in dem Land festigen, scheint sich die internationale Gemeinschaft mit dem Verbleib Assads abgefunden zu haben. Durch die Corona-Pandemie findet der Krieg in Syrien international immer weniger Beachtung, dabei hat sich die humanitäre Lage noch verschlimmert. Viele Menschen in Syrien haben keine Arbeit und keine Wohnung; Lebensmittel sind sehr teuer und hunderttausende Kinder können nicht zur Schule gehen. Eine ganze Generation wächst ohne Schulbildung in einem Land auf, das in Trümmern liegt. Es gibt kaum Ärzte und Medikamente, so dass viele Menschen nicht richtig medizinisch versorgt werden können. Die schwierige Lage wird durch die Corona-Krise verschärft. Baschar al-Assad lässt sein Volk hungern, das Land bleibt ein Schlachtfeld.

Als ich die ersten Geflüchteten aus Syrien 2012 kennlernte, habe ich Geschichten aus dem Land gehört, worüber in den Medien in Deutschland kaum berichtet wurde. Von der Brutalität des Assad-Regimes, von den unterirdischen Gefängnissen, von Folter und Gräueltaten gegen die eigene Zivilbevölkerung. Ich habe den Schmerz kennengelernt, die Trauer, um das verlorene Leben, die Sehnsucht nach diesem Land, das sie so sehr liebten, und hofften bald wiederzusehen.

Als ab 2013 immer mehr Geflüchtete aus Syrien nach Kiel kamen, lagen bereits viele Städte in Schutt und Asche. Viele Geflüchtete hatten eine traumatische Flucht hinter sich und waren endlich in Kiel in Sicherheit. Die Geschichten vom Krieg und Flucht waren entsetzlich.

Das Narrativ der Geflüchteten über die verlorene Heimat hat mich sehr stark beeindruckt. Dadurch habe ich viele Facetten des Lebens und der Kultur von Syrien vor dem Krieg kennengelernt. Ihre Erzählungen haben es mir ermöglicht, gedanklich durch das Land zu reisen ... durch die Souks von Aleppos Altstadt, durch die Straßen mit Baklava, die zu süßen Pyramiden gestapelt sind, in Damaskus, durch die Gassen des Al Yarmouk-Camps, über die Ruinen von Palmyra, tanzend auf der Straße durch Qamishli, mit Gesang durch Kobani, durch die Häfen von Baniyas und Latakia, durch Homs, Hama, Daraa ... immer in Begleitung von Musik des Ouds, mit dem Duft von Jasmin in der Nase und dem Geschmack von Kibbeh oder Fattet Dajaj, von den typischen Speisen aus der jeweiligen Region auf der Zunge.
Wir haben gemeinsam mit Schülerinnen und Geflüchteten Theaterstücke über Flucht und Heimat entwickelt. Mit den Veranstaltungen von „Bühne frei für Geflüchtete“ haben wir nicht nur über Kultur und Geschichte Syriens informiert, sondern auch Begegnungen zwischen vielen Kielerinnen und Syrer*innen ermöglicht.

Wir haben eine große Bereicherung durch die vielen Syrerinnen, die in Kiel eine neue Heimat gefunden haben, erfahren. Viele Kielerinnen haben neue Freund*innen gewonnen, das kulinarische Angebot wurde bereichernd erweitert, Shawarma und Falafel haben sich als Imbiss-Mahlzeit etabliert. Inshallah, Yallah, Habibi und Wallah gehören mittlerweile zur Alltagssprache nicht nur von Schulkindern.
Bei den meisten Geflüchteten ist die Hoffnung erloschen nach Syrien zurückzukehren. Viele sind bereits eingebürgert, besitzen einen deutschen Pass. Der Lebensmittelpunkt ist jetzt in Deutschland.

Bei den Kulturwochen Syrien geht es einerseits um die reichhaltige Kultur und Geschichte Syriens und andererseits geht es um das Ankommen und das „neue“ Leben in Deutschland. Syrer*innen haben das Wort.

Mein Dank gilt allen, die direkt oder indirekt zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben und auch allen, die uns finanziell unterstützt haben.

Namal fi alsalam

Idun Hübner, ZBBS e.V.

Kontakt zu uns

Sie haben Fragen oder möchten mitwirken? Dann melden Sie sich gerne per E-Mail bei uns an Teresa Inclán (Heinrich-Böll-Stiftung SH) oder Parinaz Mehranfar (ZBBS).

Dankeschön

Wir freuen uns, dass die Kulturwochen von zahlreichen Partner:innen sowie Förder:innen unterstützt werden. Wir bedanken uns sehr für die Zusammenarbeit und die Förderung.

Organisator*innen

Partner*innen

Förderung